Beeindruckende Festungsanlage im Oberrheintal

Hochburg bei Emmendingen

Aufrüstung für die Glaubenskriege

Die Festungsanlage

Die mittelalterliche Hochburg erhielt nach der Reformation enorme strategische Bedeutung: Sie war nun Grenzbastion zwischen der evangelischen Markgrafschaft und dem katholischen Vorderösterreich. Davon zeugen die Wehranlagen auf dem modernsten Stand der Festungsbaukunst.

Blick über die Hochburg Richtung Berge; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Das katholische Vorderösterreich war nicht sehr weit entfernt.

Zum Schutz der evangelischen Markgrafschaft

Ihre eindrucksvolle Größe verdankt die Hochburg den Konflikten, die nach der Reformation Europa prägten. Tiefe Gräben öffneten sich im Zeitalter der konfessionellen Auseinandersetzungen und der Glaubenskriege zwischen katholischen und evangelischen Ländern. Mit ihrer Lage im Süden der Markgrafschaft erhielt die Hochburg eine entscheidende Position. Denn hier grenzte die evangelische Markgrafschaft Baden an das katholische Vorderösterreich.

Frühe Kanonen; Foto: Wikipedia, gemeinfrei

Neue Waffensysteme machten andere Befestigungen notwendig.

Neue Befestigungsmethoden

Hohe Mauern und Türme, die typischen mittelalterlichen Befestigungsmethoden, halfen den Burgen und Städte nicht mehr, wenn sie mit den neuen weitreichenden Kanonen angegriffen wurden. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts sollten zunächst Rondelle und hufeisenförmige Bastionen Schutz bieten. Doch sie hatten tote Winkel, die man nicht verteidigen konnte. Erst die sternförmig angelegte Festung bot eine Lösung des Problems.

Moderne Wissenschaft

Für die europäischen Fürstenhäuser war die Kriegswissenschaft von großem Interesse. Vor allem im 16. Jahrhundert entwickelte sich der Festungsbau zu einer eigenen Wissenschaft. In neugegründeten Akademien und Schulen wurden Ingenieure für den Festungsbau ausgebildet. Die auf dem Reißbrett geplanten, geometrisch-symmetrischen Festungsentwürfe ließen sich meist nicht in die lebendige Struktur der gewachsenen Städte integrieren und wurden daher oft in abgewandelter Form ausgeführt. Bestehende Festungsanlagen wurden aus Kostengründen meist umgebaut und erhielten zusätzlichen Schutz durch separate Befestigungswerke.

Von der Burg zum Schloss zur Festung – die Hochburg wurde von den badischen Markgrafen innen und aussen immer wieder verändert.

Besucher auf der Hochburg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Niels Schubert

Noch heute kann man die strategische Bedeutung erahnen.

Ausbau zur Landesfestung

Der Ausbau der Hochburg zur Festung begann 1556. Markgraf Karl II. machte aus der Adelsburg eine Festungsanlage – und zugleich ein Schloss im Stil der Renaissance. In der Zeit um 1600 folgte durch Markgraf Georg Friedrich der Ausbau zur Landesfestung auf Grundlage der modernen Befestigungslehre. Die Markgrafen wollten mit der Hochburg ihre Macht auf Dauer sichern und zugleich einen repräsentativen Sitz vorweisen können. So wuchs die Burg zur größten Festungsanlage in Baden.

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