Wachraum des Rothgattertors auf der Hochburg bei Emmendingen

Der Fluch des Geldes

Die weiße Jungfrau

Zu früheren Zeiten kam es wohl vor, dass man ein schönes Burgfräulein im Fenster der Hochburg sitzen sah. Angeblich hütet die Jungfrau Schätze, die in den unzugänglichen Gewölben und Kellern verborgen sind. Bis heute wartet sie auf einen bescheidenen Menschen, der sie erlösen kann.

Detail der Mauer der Hochburg bei Emmendingen

Die schöne Jungfrau ist noch immer hier gefangen.

Verführerischer Gesang

Nachts bei Mondschein schaut eine Jungfrau in weißem Gewand aus dem Erker der Hochburg und singt ein Lied. Jede Nacht steigt sie ins Brettental hinab, wäscht ihr langes Haar und flicht daraus einen Zopf. Fröhlich steigt sie hinab ins Tal, weinend kehrt sie in die Burg zurück, die sie seit Jahrhunderten gefangen hält. Immer hat sie einen Bund Schlüssel dabei.

Detail eines Holzschnitts um 1500 mit dem Titel „Bauer, der ins Kloster gehen will“

Der Bauer wollte die Jungfrau erlösen.

Der Bauer aus Windenreute

Einmal begegnete die Jungfrau nachts einem Bauern aus Windenreute. Sie forderte ihn auf, mit zur Burg zu kommen. Wenn der Bauer von einem Schatz, den sie ihm zeigen wolle, nicht mehr mitnähme, als er ohne abzusetzen tragen könne, und dies so oft wiederhole, bis von dem Schatz nichts mehr übrig sei, wäre ihre Erlösung gekommen. „Finde ich sie nicht durch dich“, sprach die Jungfrau, „dann muss ich noch lange auf sie warten, denn das Holz zur Wiege des Kindes, das mir wieder helfen kann, ist noch nicht gewachsen.“

Detail vom Innenhof der Hochburg bei Emmendingen

Weit kam der Bauer nicht.

Zu gierig!

Als der Bauer den Schatz erblickte, konnte er seine Gier nicht bezähmen. Er raffte so viel Geld zusammen, wie er in seinem Sack unterbringen konnte. Aber auf dem Weg wurde ihm die Last zu schwer, er stellte den Sack ab und verlor die Besinnung. Als er wieder zu sich kam, war der Sack leer. Die weiße Jungfrau ist bis heute nicht erlöst.

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